Wusstest du, dass der 06.05. als „Anti-Diät-Tag“ gefeiert wird? Er wurde 1992 von Mary Evans Young ins Leben gerufen, einer britischen Buchautorin und Feministin. Ihr Wunsch war es, die Körpervielfalt und das Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu stellen.

Diesen Tag möchte ich zum Anlass nehmen um dir meine Diät-Geschichte zu erzählen und dir zu verraten, warum ich dich so gut verstehen kann. Weshalb ich nachempfinden kann, wie es sich anfühlt, wenn du schon dein halbes Leben – oder länger – mit dir, deinem Gewicht und deinem Körper haderst!

Schon als Kind in den Vergleich gegangen

Bereits in der Volksschulzeit habe ich begonnen, mich mit Mitschülerinnen und meinen Freundinnen zu vergleichen. Sie mir genau anzusehen, anschließend mich zu betrachten und mich schlecht zu fühlen. In meiner Erinnerung gibt es kein „Schlüsselerlebnis“, das diesen Vergleich ausgelöst hätte. Wobei es vielleicht daran gelegen haben könnte, dass meine beste Freundin in den Ballettunterricht gegangen ist und ich nicht. Sie war schlanker als ich, hatte ein ganz zierliche Figur – die ich nicht hatte. Und das war für mich die Erklärung, warum ich keine Ballerina werden würde – mein Körper ist nicht zierlich und schön genug.

Woran ich mich auch gut erinnern kann, ist die Abneigung meinen Beinen gegenüber – die Waldviertlerwadln –, die ich NIE mochte, ja lange Zeit sogar hasste! Sie sind fest, muskulös und wirken nicht sehr weiblich. Auch meine Schwestern haben die Beine unseres Papas geerbt, das machte es aber nicht leichter erträglich. Im Gegenteil, ich hab mich lange immer und immer wieder gefragt, warum ich nicht die Beine meiner Mutter geerbt oder halt einfach andere, schlankere, schönere Beine habe.

Das hat mich lange – sehr lange – beschäftigt und regelrecht fertig gemacht. So sehr, dass ich oft im Sommer keine kurzen Hosen angezogen habe, wenn doch, dann mussten diese mindestens bis zum Knie gehen. Einzige seltene Ausnahmen waren Urlaube im Ausland, wo ich dann ab und zu doch zu kürzeren Hosen gegriffen habe, weil mich dort ja eh niemand kennt.

Aber auch mein Gewicht, Körper und Körperbau waren stets ein Thema. Diverse Diäten haben schon früh attraktiv auf mich gewirkt. Egal welche Tipps und Tricks angepriesen wurden um Kilos zu verlieren und schlanker zu werden: Essig-Drinks, Krautsuppendiät, Dinner Cancelling, Kohlenhydrate weglassen, usw. – hat es auch noch so absurd geklungen, ich habe alles ausprobiert. Meistens mit demselben Erfolg – nämlich mäßig kurzfristig bis NULL!

Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt

Sport war in meiner Familie kein großes Thema, also es gab keine ausgedehnten Wander- oder Radtouren am Wochenende oder ähnliches. Jedoch bin ich immer gern schwimmen gegangen. Somit hatte ich hauptsächlich die Stunden des Schulsports, den hab ich jedoch sehr gern gemacht. Natürlich immer darauf bedacht, mich so zu kleiden, dass meine unmögliche Figur halbwegs verdeckt war. Auch hier mussten die Hosen mindestens bis zum Knie gehen….

In meiner Freizeit war ich zwar aktiv – also mal radfahren oder schwimmen, vor allem als Jugendliche, aber das war es dann auch schon wieder. Ich hab also nicht regelmäßig Sport gemacht und war auch nie Mitglied bei irgendeinem Sportverein. Schlicht und einfach auf Grund der Überzeugung, dass ich dort nicht hingehöre, da ich weder schlank, fit oder sportlich – kurz nicht gut genug

war.

Das hat sich mit 18 oder 19 Jahren dann geändert als ich angefangen habe bei uns im Ort den Volkshochschulkurs „Body Workout“ wöchentlich zu besuchen, was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat (und auch heute noch macht)!

Einige Jahre später, nämlich 2006 habe ich mit dem Laufen begonnen – so richtig durch das wöchentliche Lauftreff in meinem Wohnort und später dann auch allein. Lange Zeit habe ich den Sport als Mittel für Gewichtsreduktion bzw. Gewichtskontrolle gesehen und war auch hier von vielen, starken Zweifeln begleitet. Wie oft habe ich mich geschämt oder überlegt, was andere denken oder sagen, wenn sie mich laufen sehen. Gedanken wie diese waren keine Seltenheit:

„sie hat es eh nötig,…“

„…Zeit wird’s, dass sie was tut…“

„…ist das schon Laufen oder schnell Gehen?“

Und dann hat es Klick gemacht!

Heute ist mir das egal! Ich tue es für mich und vor allem für das großartige Gefühl danach. Heute weiß ich, wie sehr ich Sport für mich, meinen Ausgleich und meine Balance brauche. Es ist für mich nicht mehr wegzudenken einfach täglich aktiv zu sein, auf meinen Körper zu hören was er gerade braucht und auch Neues auszuprobieren.

Kann ich zusätzlich auch nur 1 Person damit motivieren ihre Selbstzweifel über Bord zu werfen und sich auch zu bewegen, Spaß daran zu haben aktiv zu sein, egal mit welchem Körpergewicht, dann bin ich schon mega glücklich!

Nicht genug…

Zurück zu meiner „Diät-Geschichte“: ich hatte generell keine Tendenzen zu Essstörungen – also Magersucht oder Bulimie. Zwar versuchte ich ein paar Mal, mich nach dem Essen zu übergeben, jedoch war die Überwindung mich selbst zum Erbrechen zu bringen letztendlich doch zu groß.

Auf Grund meiner Ausbildung weiß ich heute, dass ich immer wieder Binge Eating Episoden hatte – also unkontrollierte Ess-Anfälle in denen ich süße und pikante Lebensmittel in mich hineingestopft, ja diese regelrecht verschlungen habe. Mir ist es jedoch immer gelungen, diese Anfälle gut zu verheimlichen, sodass sie bis heute ein gut gehütetes Geheimnis waren.

Die Situation und mein Umgang mit meinem Körper und Körpergewicht war stets belastend für mich. Der ständige Vergleich mit dem weiblichen Umfeld, wildfremden Frauen auf der Straße oder auch in Lokalen – wo ich oft darauf geachtet habe, welche Speisen bestellt und ob diese aufgegessen werden – war stets präsent. Unzählige Male hat mich meine Unsicherheit und Unzufriedenheit limitiert, weil ich mich gewisse Dinge nicht habe machen, anziehen oder sagen getraut habe. Viele negative Situationen habe ich auf mein Gewicht bezogen, weil mein Bauch nicht flach, meine Beine nicht schlank oder mein Po nicht knackig – ich also weiterhin nicht gut genug war. Und selbst positive Situationen oder Erlebnisse konnte ich kaum genießen, weil ich mir stets gewunschen habe anders, besser, schlanker zu sein.

Verletzende Worte haben lange nachgewirkt!

Auch in der Berufswelt ist dieses limitierende Gefühl immer wieder aufgekommen. Einmal hat mir mein Chef beim Vorstellungsgespräch sogar gesagt

„Du bist ja gar nicht so dick, wie du auf dem Foto aussiehst“

– das war eine mega verletzende Aussage und hat dazu geführt, dass ich bei meiner späteren Tätigkeit für dieses Unternehmen lange darauf geachtet habe, was ich esse oder auch anziehe.

Jedoch habe ich mir all diese Unsicherheiten und Verletzungen nie anmerken lassen und stets bestmöglich die souveräne, gut gelaunte & brave Katharina der Welt gezeigt. Es stand mir ja gar nicht zu etwas zu sagen, schließlich bin ich ja selbst schuld an der Situation! Ich war lange davon überzeugt, dass ich anders aussehen könnte, wenn ich nur disziplinierter wäre, sei es beim Essen oder auch beim Sport.

Ungefähr 1 Jahr nach meinem Studiumsabschluss, also als bereits ausgebildete Diätologin, habe ich dann folgende heftige Aussage kassiert

„…mehr darfst du nicht mehr zunehmen, sonst bist du als Diätologin nicht mehr glaubwürdig“!

Das hat mich abermals stark getroffen, mich verletzt, aber auch wütend gemacht! Ja, ich hatte „mehr auf den Rippen“, aber meine Ausbildung und meine Fähigkeiten als Diätologin und Therapeutin nur auf mein Aussehen zu reduzieren, war für mich unverständlich und ist es heute noch!

Embrace

Ungefähr 2008 konnte ich durch eine Ernährungsumstellung mein Gewicht reduzieren, mit dem Wissen und der Erkenntnis, dass ich nicht hungern muss. Im Gegenteil – ist mein Körper ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgt, greift er auch auf seine Fettreserven zurück und minimiert diese. In dieser Zeit habe ich viel über Portionsgrößen, Essensplanung aber auch Vielfalt in der Ernährung gelernt. Es war der Beginn mich viel mehr mit dem Thema Ernährung, Lebensmittel und deren Auswirkungen auf die Seele und den Körper zu beschäftigen.

Das war ein großartiges Gefühl! Endlich nicht mehr zu hungern, nach irgendwelchen Listen mit verbotenen Lebensmitteln einkaufen oder kochen zu müssen und endlich selbst und frei zu entscheiden, was ich essen will und mir das ohne Zweifel zu erlauben!

Ein Jahr später veranstaltete mein damaliger Arbeitgeber im Zuge einer Gesundheitsinititative für MitarbeiterInnen einige Workshops, wodurch ich an einem „Ernährungsworkshop“ mit einer Diätologin teilnehmen durfte. Hier kam ich zum ersten Mal mit einer Diätologin bzw. diesem Berufsbild in Berührung. Dieser Tag war so interessant, motivierend, augenöffnend und großartig, dass ich mich mehr für diesen Beruf interessierte.

„Aha-Momente“ während des Studiums

Tja, wieder ein Jahr später – 2010 – bekam ich nach durchlaufenem Bewerbungsprozess die Zusage zum Start meines Diätologie Studiums. Meine Intention war immer, Menschen zu unterstützen Frieden mit ihrem Körper und ihrer Ernährung zu schließen, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen & sich wohl zu fühlen – obwohl ich selbst damals noch nicht so weit war. Das finde ich selbst sehr spannend 😊

Selbstverständlich hatte ich viele „Aha-Momente“ während des Studiums, hab viel gelerntes natürlich selbst ausprobiert und umgesetzt. Im Zuge dessen konnte ich ganz viele neue Lebensmittel kennenlernen, wodurch eine neue Vielfalt in meine Ernährung eingekehrt ist. Aber dazu wird es demnächst einen eigenen Blogpost geben. Kurzum, die Zeit an der Fachhochschule war für mich sehr interessant, ja hilfreich zu erfahren, was für ein Wunderwerk mein Körper ist und wie viel ich mit Ernährung beeinflussen und bewirken kann.

1 Jahr nach meinem Studiumsabschluss, bin ich zufällig auf Taryn Brumfitt, ihre Geschichte, ihre Dokumentation „Embrace – du bist schön“ sowie ihr „Body Image Movement“ gestoßen. Ihre Message hat mich tief berührt, sodass ich endgültig den Entschluss gefasst habe, mich selbst auf den Weg zu machen um die Reise zu mir anzutreten, zu mir zu finden und mich selbst zu akzeptieren! Das hat seine Zeit gedauert. Es ist ein anhaltender Prozess, mehr ein „learning by doing“ mit Ups und Downs. Jedoch so befreiend und wunderbar!

In der Ferne auf in die Freiheit

Meine mehrmonatigen Solo-Abenteuer 2014/15 nach Asien und Nordamerika haben dann noch das ihrige dazu beigetragen. Denn während dieser Backpacking-Trips hat Schritt für Schritt das Gefühl von Freiheit diese ewige Limitierung abgelöst. Vor Ort war ich stets so befreit und bei mir, hab mich gekleidet, wie ich wollte. Auch die Hosen wurden kürzer und die Zeiten am Strand im Bikini habe ich genossen, weil ich mich selbst gespürt und endlich wertgeschätzt habe. In diesen 8 Monaten habe ich sogar zugenommen, mich jedoch trotzdem wohl gefühlt und festgestellt, dass die Menschen mich als Person, meinen Charakter schätzen und nicht mein Outfit oder mein Gewicht! Ausserdem habe ich großartige Abenteuer erlebt, die Rocky Mountains zum ersten Mal gesehen oder die Pride-Parade in Vancouver miterlebt – sollte ich mir solche tollen Momente von meinem Gewicht und möglichen 10 Kilo zu viel vermiesen lassen? Bestimmt nicht!

Nachdem ich weiterhin viele Schrauben an meinem Mindset, meinen Glaubenssätzen und meinen Gefühlen gedreht habe, bin ich mit 36 Jahren endlich an den Punkt in meinem Leben gekommen, mich 100% wohlzufühlen in meinem Körper, um aus vollstem Herzen sagen zu können:

I LOVE MYSELF

I AM ENOUGH

I LOVE MY LIFE

Bis heute hält dieses Gefühl an! Natürlich gibt es trotzdem noch Momente oder Tage, wo ich mich in einem Outfit nicht wohl fühle, weil es meinen Bauch betont oder ich steh vorm Spiegel und denk mir „na der Kuchen wäre auch nicht nötig gewesen“.

In diesen Momenten jedoch besinne ich mich darauf, dass ich gesund bin, mein Körper ein Wunder ist und ich nur diesen einen Körper habe – daher will ich ihn entsprechend gut behandeln! Und ich erinnere mich an meine Vergangenheit mit der Gewissheit, dass jeder Schritt, jedes Hoch und jedes Tief in all diesen Jahren notwendig waren und mich zu der Person gemacht haben, die ich heute bin.

Mach auch du dich auf die Reise!

Seitdem mein Körpergewicht nicht mehr einen Großteil meiens Tagesablaufs bestimmt, ich dieser Diät-Hölle entkommen bin, gehe ich befreiter durchs Leben.

Wie viele Frauen gibt es, die eine ähnliche Geschichte haben, jedoch den Weg aus dieser Selbstverdammnis noch nicht gefunden oder gewagt haben? Zählst du womöglich auch dazu?

Du bist mehr als eine Zahl auf der Waage!

Nein keine Sorge, du musst dafür jetzt nicht deine Koffer oder deinen Rucksack packen um ein Solo-Abenteuer zu starten! Du kannst jetzt deine Diät-Geschichte umschreiben, dich endlich frei fühlen und ohne Zweifel deine Lieblingsspeise, das Eis am See oder die Popcorn zum nächsten Film-Abend genießen.

Ich begleite dich dabei! Steh dir zur Seite, gehe den Weg mit dir gemeinsam, wenn du dir deiner Geschichte bewusst wirst, dich von ihr löst und dich mutig auf die Reise zu deinem neuen Körpergefühl machst. Und du mit deinem Körper & dem Essen Frieden schließt und tief drinnen spürst, dass du so viel mehr bist als eine Zahl auf der Waage!

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